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17. Dezember 2005, Zürich ZüRITIPP (Tages Anzeiger) Text: Silvio Biasotto


DIE SUPERNASEN
Die Zürcher Partymacher Mocca feiern ihren vierten Geburtstag. Zu Gast ist unter anderem eine illustre Pioniertruppe: das DJ-Duo Munk vom Plattenlabel Gomma.

«Wer häts erfunde?» - Während im Hustenzeltli-Werbespot die wahre Herkunft der Hersteller stets herausgekehrt wird, bleiben Entdeckerleistungen in anderen Bereichen oft verborgen. Zum Beispiel im Falle des Duos Munk: Die beiden Münchner wussten stets dort zu graben, wo sonst kein Musikarchäologe einen Fund vermutete, und waren dementsprechend bei neuen Trends immer wieder als Erste an Ort und Stelle.

Ins internationale Rampenlicht traten Mathias Modica und Jonas Imbery mit einer zukunftsweisenden Kopplung. Die CD «Anti NY» widmete sich als erste Sammlung der jüngeren Vergangenheit dem «New York No Wave», also dem Funk-Punk-Disco-Wave-Hybrid von Anfang der Achtzigerjahre. In dieser avantgardistischen Musikerbohème verkehrten auch der Maler Jean Michel Basquiat und der Filmregisseur Jim Jarmusch, von denen auf «Anti NY» Aufnahmen zu hören sind. Jene Umtriebe wurden zur Vorlage für den heutigen Discopunk, wobei die ersten Singles der neuen Generation 2002 erschienen, «Anti NY» aber bereits 2001. Bedenkt man die Vorlaufzeit von drei Jahren für die rechtmässige Erschliessung der Beiträge, wird klar, wie weit Munk ihrer Zeit voraus waren. Das gilt auch für das aktuelle Repertoire von Gomma, dem Plattenlabel von Modica und Imbery. Die punk-funkige Neo Disco des Zürchers Headman wollte vor fünf Jahren niemand sonst betreten. Heute gilt sein Hit «It Rough» als Kopiervorlage neuerer Tanzhits. Ähnlich bei der Band Kamerakino: Ihr Debüt auf Gomma fand nur in einem engen Kreis Anerkennung, was sich bei ihrer Nachfolgeband radikal änderte: Aus Kamerakino entwickelten sich Franz Ferdinand.

Diese Auflistung liesse sich fortsetzen, denn dank Mut zur Lücke und einer unbeirrbaren Vision konnte Gomma seinen Ruf als Innovationslabel bis heute halten. Das Spektrum blieb dabei so weit gefächert wie die vielen Einflüsse des Gründer-Duos, die als Munk letztes Jahr mit «Aperitivo» debütierten, einer Platte, die sich jeglicher Einordnung entzieht. Man kann also äusserst gespannt sein, wie Munk diese Woche an der Mocca-Geburtstagsparty Vergangenheit und Zukunft zu verbinden gedenken.