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15. Januar 2005, Zürich Tages Anzeiger, Bellevue Text: Thomas Wyss


Gefährlicher Bubblegum-Pop
Electrocute ist die Lieblings- vorband von Skandalnudel Peaches. Heute spielt das Poppunk-Duo in der Dachkantine. Auch dabei: Dorfmeister. Spaltet man den Ausdruck «Electrocute» in seine Einzelteile «Electro» und «cute» und übersetzt diese ins Deutsche, kommt man ungefähr auf süssliche, niedliche Elektronik. Lässt man den Terminus in seiner ursprünglichen Form und sucht im Englischwörterbuch nach dessen Bedeutung, kriegt man Gänsehaut: «Electrocute» steht für nichts anderes als einen tödlichen Stromstoss. Oder, etwas plastischer: die Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl.

Weshalb dieser Definitions-Sermon? Weil die Berliner Frauenband, die sich mit diesem Namen schmückt, exakt zwischen den genannten Extrempolen herummusiziert. Das ist Bubblegum-Pop der gefährlichen Sorte. Synthetische Spielerei, kombiniert mit Axtmörder-Punk. Sixties-Charme, verunstaltet durch lyrische Exzesse. Da werden Songs wie «Jet Set Boy» oder «Fun Is A Floppy Bitch» vorgetragen, die nach niedlichem Herzbruch im Teeniealter klingen. Und plötzlich wird gestöhnt - das Zitat ist einer renommierten Musikpostille entlehnt -, «als ob zwei Japanerinnen einen feuchten Traum durchlebten». Logo, dass Skandalnudel Peaches das Duo zu ihrer liebsten Supportband erkoren hat.

Ein Wiener Spezi als Comeback-DJ
Ebenso klar ist, dass nur das berüchtigte Veranstaltergespann Mocca-Ursive auf die Idee kommt, eine solche Band als Party-Headliner zu engagieren. Die extravagante Sauce, eine Koproduktion mit Mocca Music, findet heute in der Dachkantine statt. Ebenfalls mit dabei ist ein alter Bekannter, um den es jüngst etwas ruhiger geworden ist: Richard Dorfmeister, Wiener Spezi mit Zürcher Wahlheimat, amtet als Comeback-DJ.